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Industriepolitik: Endlich raus aus dem „White-out“

2. März 2026 durch
Industriepolitik: Endlich raus aus dem „White-out“
NEXFAB Sàrl, Samuel Vuadens

Industriepolitik: Endlich raus aus dem „White-out“

Letzten Montag le plateau de Forum (RTS)habe ich eine Botschaft platziert, die offenbar einige wachgerüttelt hat: Die Schweizer Industrie braucht kein Mitleid, sie braucht einen Kompass. Für manche mag die Debatte über eine souveräne Strategie eine endlose, müßige Wortklauberei sein, doch die Realität an der Front ist rau geworden. Sie zehrt an unseren Werkzeugen, unseren Margen und – was noch schlimmer ist – am Willen unserer erfahrensten Unternehmer.

2026: Das Chaos ist kein Vorfall mehr, sondern das Klima

2008 hiess der Feind „Subprime“. 2015 war es der „starke Franken“. Das waren identifizierbare Hindernisse, klare Wände, die man mit Produktivität überwinden konnte. Heute bewegen wir uns im „White-out“. In den Bergen ist dies jener tückische Moment, in dem Himmel und Schnee verschmelzen, jedes Relief verschwindet und jede Vorstellung von Distanz verloren geht.

Die Gefahr ist überall und nirgends: chronische Energieinstabilität, Trump-Zölle von 15 %, die wie ein permanentes Bleigewicht wirken, die schleichende Erosion des Eigenkapitals und eine bürokratische Erstickung, die jede Bewegung bremst. Der BAK-Swissmechanic-Index bei -30 Punkten seit neun aufeinanderfolgenden Quartalen ist keine Statistik für den Kaffeeklatsch. Es ist das Alarmsignal eines schwindenden industriellen Gefüges: 26 % unserer KMU investieren nicht mehr. Wer jedoch in unseren Hochpräzisionsberufen heute KI, Automatisierung oder modernste Maschinen ignoriert, besiegelt sein eigenes Ende bis 2029. Wer im Sturm nicht aufrüstet, akzeptiert den Absturz.

Industrialisierung: Das Stiefkind der Innovation

Wir sind exzellent in der akademischen Forschung. Unsere Labors und technischen Hochschulen quellen über vor brillanten Patenten. Aber Innovation zu fördern, ohne ihre reale Industrialisierung – den Übergang vom Prototyp zur Serie in unseren Fabriken – zu finanzieren, ist wirtschaftlicher Unsinn.

Eine Idee erzeugt keinen ROI, solange sie keine Späne produziert, solange sie sich nicht auf einem Präzisionsmandrin dreht. Die technologische Unverzichtbarkeit – die Fähigkeit, die Einzigen zu sein, die jene kritischen Komponenten fertigen können, welche die globalen Wertschöpfungsketten physisch benötigen – ist unser einziger Rettungsanker gegenüber dem ungebremsten Protektionismus der Grossmächte. Wir müssen unsere Patente hier, auf Schweizer Boden, in souveräne Produkte verwandeln.

Raus aus der liberalen Blauäugigkeit

Während wir über die Definition des Wortes „Interventionismus“ streiten, pushen unsere Nachbarn und Konkurrenten ihre Produktionsmittel massiv durch direkte Hilfen und skrupellose Souveränitätsstrategien. Wir erleiden systemische Mikroaggressionen: eine interne Bürokratie, die Berichte verlangt, wo wir Teile produzieren sollten, und eine asymmetrische Zollsituation, die uns im Export bestraft. Die Resilienz der Schweizer Unternehmer ist kein unerschöpflicher Brunnen.Wie Staatsrätin Isabelle Moret kürzlich betonte: „Regieren heisst vorausschauen. Es heisst auch, zuzuhören und miteinander zu reden.“ Es ist an der Zeit, von reaktiver Krisenverwaltung zu einer proaktiven Souveränitätsvision überzugehen. Wir müssen an den Hebeln ansetzen, die wir noch kontrollieren: eine radikale administrative Vereinfachung und die Beschleunigung von Freihandelsabkommen.

„Regieren heisst vorausschauen“

Wie Staatsrätin Isabelle Moret kürzlich betonte: „Regieren heisst vorausschauen. Es heisst auch, zuzuhören und miteinander zu reden.“ Es ist an der Zeit, von reaktiver Krisenverwaltung zu einer proaktiven Souveränitätsvision überzugehen. Wir müssen an den Hebeln ansetzen, die wir noch kontrollieren: eine radikale administrative Vereinfachung und die Beschleunigung von Freihandelsabkommen.

Die Stunde der Tat hat geschlagen. Ich unterstütze die Notwendigkeit eines nationalen Runden Tisches, der Politik, Verbände (GIM, Swissmem, Swissmechanic) und Akteure von der Front zusammenbringt, um unsere Rahmenbedingungen neu zu definieren. Es geht nicht darum, um Subventionen zu betteln, sondern eine Infrastruktur zum Überleben zu bauen. Lassen wir unser über Jahrzehnte geschmiedetes Nischen-Know-how nicht im Nebel des White-outs verdampfen.

🤝 Schliessen wir uns zusammen, um die Wettbewerbsfähigkeit und den Fortbestand unseres Landes zu sichern.